Geschichte der Familiensingwoche

Eine mehr als 60 Jahre bestehende Institution näher zu beschreiben erscheint müßig. Jedoch ist es mir, als nunmehrigem Leiter sehr wichtig, die wesentlichen Inhalte und Zielsetzungen nochmals in der neuen Form aufzuzeigen.

Die Entstehung:

Getragen von der Gemeinschaft Katholischer Erzieher wurde bereits unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges eine Jahrestagung einberufen, welche, zur Erbauung, auch das gemeinsame Singen beinhaltete.

Im Jahr 1960 begründete der bekannte Musikpädagoge Dr. Rudolf Schwarz, mein verehrter Lehrer, eigenständige Singtage, die sich im Laufe der Jahre kontinuierlich erweiterten. Nach 20 Jahren übernahm HD Karl Mustein die Leitung der Singtage.

Während dieser Zeit wurde ich von Karl Mustein eingeladen als Chor- und Tanzleiter zu fungieren. Dies wurde von mir sehr gerne wahrgenommen, zumal meine gesamten Berufs- und Freizeitinteressen diesen Tätigkeiten gewidmet waren.

Während der folgenden Jahre entwickelte sich das “Unternehmen: Singwoche ” zu einer wahren Familieninstitution, wobei oftmals Kinderwünsche als mitunter treibende Teilmotivation (Anmerkung persönlicher Erfahrungen) geworden sind. Dies ist wohl als Zeichen eines sehr funktionierenden Angebotes der Gemeinschaft Katholischer ErzieherInnen zu werten.

Karl Mustein führte diese Woche sehr erfolgreich bis zum Jahre 1993. Mir wurde nun die Ehre zuteil, diese Woche in der Folge zu leiten.

Die Singtage haben sich nun zu einer Familiensingwoche mit der Dauer von Sonntag bis Samstag in der vorletzten Ferienwoche der Steiermark entwickelt. Natürlich haben alle Menschen Zutritt zu unserer Woche. Viele Studenten und Schüler, auch ohne Familien, nehmen an der Woche teil.

Die Chorleiter sind:

Norbert Brandauer (Salzburg), Markus Zwitter (Steiermark), Georg Lenger (Steiermark) und Reinhold Haring (Steiermark).

Kindermusical/Kinderchor:

Eva Woldrich, Kati Pachatz

Jugendchor:

Christa Hofer

Korrepetition:

Birgit Schweighofer

Kinderbetreuung:

Nadin Hutter, Mariella Kainz

Leitung der Instrumentalmusik:

Karl Hofer

Organisatorische Leitung:

Gunter Pachatz

Gesamtleitung:

Reinhold Haring

Das musikalische Niveau ist bereits so beachtlich, dass durchaus alle schwierigen Werke der Chorliteratur realisiert werden können.

Nun zu den Inhalten:

Im Vordergrund steht das Singen von Chorliteratur aller Stilrichtungen. So besteht das Angebot von Chorwerken der Renaissance bis hin zu zeitgenössischer Literatur geistlicher und weltlicher Prägung.

Besonders der zeitgenössischen Literatur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, swingend bis traditionell, avantgardistisch bis folkloristisch, wird viel Gewicht verliehen. So stehen in jedem Jahr Uraufführungen zeitgenössischer, österreichischer Komponisten am Programm. Es handelt sich teils auch um Auftragswerke junger Komponisten. Stellvertretend seien hier einige Namen angemerkt: Werner Pelinka, Alarich Wallner, Franz Koringer, Bruno Strobl, Kurt Muthspiel, Klaus Dorfegger, Gottfried Sattler und viele andere. Das große Engagement der SängerInnen bewies die Wichtigkeit solcher Unternehmen. Wer sonst, als eine Singwoche mit so vielen Multiplikatoren könnte wohl Träger und effizienter Weitervermittler zeitgenössischer Musik sein und so wahrhaft visionär tätig werden.

Natürlich finden das Alpenländische Volkslied, das neue Steirerlied und Lieder der Völker reichlich Platz.

Volkstanzen am Abend ist ein wesentliches gemeinschaftsförderndes Element dieser Woche. Gesungen wird im Plenum, im Frauen- und Männerchor. Kinder im Vorschulalter und im frühen Schulalter finden altersadäquates Musikangebot von kompetenten Musikerziehern. Viele Singwochenteilnehmer sind begeisterte bis ausgezeichnete Instrumentalisten. Dieser Tatsache wird natürlich Rechnung getragen. So finden täglich Instrumentalproben statt, welche den Höhepunkt im Hauskonzert für die Teilnehmer finden.

Ein Abend ist der Literaturpflege gewidmet.

Unser Bestreben ist es, immer wieder österreichische Literaturschaffende für diesen Abend zu gewinnen.

Im Jahr 1995 konnte die Literaturpreisträgerin Gloria Kaiser gewonnen werden. Im Jahr darauf wurde der Abend von Reinhard Peter Gruber bestritten. Viele andere österreichische Literaten, wie Roland Girtler, Barbara Frischmuth, Gerhard Tötschinger, Lotte Ingrisch, Günther Schatzdorfer, Alfred Komarek u. a. waren in der Folge zu Gast. Nun wollen wir unser Angebot erweitern und Musikschaffende, Künstler von internationalem Format, welche Kunst im weitesten Sinne des Wortes und in der unglaublichen Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten verwirklichen und Interpreten von österreichischem und internationalem Ruf zu Darbietungen einladen.

Unser Problem liegt leider darin, dass wir uns finanziell sehr nach der Decke zu strecken haben. Denn jeder Euro mehr investiert ginge den „Nichtverdienenden“ und vor allem den Familien sehr ab. So haben wir bislang sehr viele Künstler gefunden, denen mit der Idee „Familiensingwoche“ eine sehr wichtige Sache im Sinne der multikulturellen Entwicklung überzeugend dargeboten wurde. Daher hielten sich die Honorarforderungen sehr in Grenzen und nahmen den Charakter einer „Quasi – Charity – Veranstaltung“ an. Wir wollen weiterhin in diesem Sinne um die Mitwirkung von künstlerischer Prominenz bitten. Die Bedeutung dieses, unseres musischen Familienangebotes hat bislang zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden. Man lebte unter dem Motto: „Wisse, sie genügt sich selbst.“ Jedoch ist die Singwoche so groß und vor allem bedeutend geworden, dass, um allen die Teilnahme zu ermöglichen, der Weg zu offiziellen Stellen gesucht wurde. Viele Familien kommen mit mehreren Kindern. Die Zahl der Familienmitglieder beträgt bis zu 6 Personen. Darüber hinaus gibt es eine stattliche (glücklicherweise) Anzahl noch nicht verdienender Jugendlicher, sich rekrutierend aus Schülern, Studenten und Lehrlingen, welche mit größtem Vergnügen die Singwoche frequentieren. Dankenswerterweise hat das Land Steiermark die Notwendigkeit der Unterstützung erkannt und hat sich mit Subventionen eingestellt. Über diese außerordentliche Akzeptanz darf ich als Leiter dieser Institution meine große Freude und Dankbarkeit ausdrücken. Angesichts der bedeutenden kulturellen Auswirkungen für unser Land darf ich weiterhin bei der Steiermärkischen Landesregierung vorstellig sein und um diese wertvolle Unterstützung bitten.

Die Singwoche 2017 findet von Sonntag, dem 27. August bis Samstag, dem 2. September 2017 statt.

Der Leiter der Seggauberger Familiensingwoche:

Reinhold Haring